Radfahren ist auch nur ein Hobby
28 Jahre/männlich/Student
Meine Erfahrungen mit Browser Games beschränken sich auf gerade mal 2 Spiele, wobei ich eines davon eher sporadisch mitgemacht habe. Ich war damals 19 und quasi ein Mitläufer. Meine Kumpels hatten zum Teil schon reingeschaut und als dann eine neue Runde begann, bin ich mit eingestiegen. Es war in Echtzeit, was mir mit meinem ISDN schon nicht so gepasst hatte. Eines Nachts um halb 4 wurde dann mein bester Kumpel aus dem Bett geklingelt, weil ein anderer, der gerade besoffen nach Hause gekommen war, gesehen hatte, dass er angegriffen wurde. Das war für mich der Zeitpunkt damit aufzuhören, denn mir kam es etwas albern vor, dass man wegen eines Spiels nicht mal seinen Schlaf bekommt!
Lange war ich glücklich (auch ohne BG), aber dann kam eine Zeit, in der ich sehr traurig und einsam war und einer meiner Kumpel musste alle seine Kräfte aufwenden, mich wieder zu einem Browser Game zu bringen, weil er mich auf andere Gedanken bringen wollte. Ich habe mich mit Händen und Füßen gewehrt, weil ich so schlechte Erfahrungen gemacht hatte, aber dass das neue Spiel rundenbasierend war und nur einen Tick am Tag (also ein Spielzug dauert 24 Stunden) hatte, hat mich in der Situation überzeugt. Ebenso, dass wieder viele RL-Freunde mitspielten und es würde mich sicher von meinen Problemen etwas ablenken. Das tat es auch und heute nach 2 ½ Jahren tut es das in gewisser Weise immer noch, aber nicht in dem Sinne, dass ich vielleicht süchtig danach bin oder andere Sachen deswegen vernachlässige, sondern es ist mehr ein Freizeitspaß – oder Hobby!
Sicher widme ich recht viel Zeit diesem Game und da es, wie schon erwähnt, auch nur einen Tick am Tag hat, tut man vielleicht noch mehr, als für andere Spiele, da man auch mehr Zeit für die Peripherie hat. Zum Beispiel kann man sich einen genauen Ausbauplan erarbeiten, indem man zunächst herausfindet, welche Wirkung der Bau eines bestimmten Gebäudes hat; oder Handelstabellen, die einem später einmal viel Arbeit ersparen (dadurch habe ich mich auch als Nebeneffekt in Excel recht gut eingearbeitet); ich wirke in der „Zeitung“ mit, die wir spiel-intern aufgebaut haben, usw.
Außenstehende mögen mich deswegen als Freak bezeichnen, aber als solchen fühle ich mich nicht. Es macht mir Spaß all das zu tun und ich finde nicht, dass ich es übertreibe. Und wenn doch, dann wäre es wegen jedem x-beliebigen anderen Hobby genauso: wenn ich beispielsweise den ganzen Tag lieber Inliner fahre, oder Schach spiele, oder lese, oder sonst was mache und damit meinen Tagesablauf ändere, ist es genau das selbe und es kommt auch immer mal wieder vor, dass ich nur das Nötigste im Game erledige und mich anderen Dingen widme, wenn ich keine große Lust darauf habe.
Schade nur, dass es immer wieder echte Freaks gibt, die in einem Spiel – ob nun bewusst, oder durch unglückliche Umstände – ihren Lebensinhalt sehen! Diese richten alles danach und schlafen womöglich nicht mehr, weil sie was verpassen könnten. Durch solche negativen Beispiele entstehen Vorurteile, weswegen mein Interesse an dieser Sache bei meinen Verwandten zum Teil auf Ablehnung stößt, oder zumindest müde belächelt wird. „Oh ihr fliegt da im Weltraum rum und macht Krieg!?“ ... ich mache mich ja auch nicht über Leute lustig, die gerne Hausfrau spielen oder wandern gehen, wenn das nun deren liebste Freizeitbeschäftigung ist.
Was ich ebenso sehr schätze sind die sozialen Kontakte, die man im Laufe der Zeit knüpft. Ich persönlich treffe mich sehr gerne mit Leuten, mit denen ich auch im Internet gut auskomme und so war ich schon bei einigen zu Hause (überall in Deutschland) und auf den bisherigen 2 Treffen. Es gibt sicher welche, denen das chatten genügt und die nicht darüber hinaus wollen, aber dazu gehöre ich nun mal nicht und komischer Weise wird DAS wiederum von meinen „Kritikern“ bewundert.
Sicher kann das Internet unpersönlich sein, aber nur, wenn man das so will. Ich kann mich auch komplett verstellen und versuchen eine Rolle zu spielen, aber das wird mich auf Dauer nicht wirklich glücklicher machen. Enttäuschungen und Rückschläge fallen dann auch viel mehr ins Gewicht, weil ich nicht ich selbst bin und auch nicht so handeln kann, wie ich es tun würde oder gerne wollte. Um mein alter ego aufrecht zu erhalten muss ich mich ihm anpassen und so rutsche ich tiefer in etwas hinein, das zwangsläufig zu Problemen führt, da ich die Unzufriedenheit mit ins echte Leben nehme usw.
Wenn einem bewusst ist, was man tut und das auch selbst bejahen kann, auch wenn’s für andere albern erscheint, kann etwas doch nicht schlecht sein!? Ob ich nun spiele, weil ich das Spiel mag, die Leute, mit denen ich es da zu tun habe, oder weil ich Gefallen an dem ganzen Drumherum finde, ist völlig egal... Hauptsache es macht Spaß!