29/m/arbeitslos

...über Inselkampf.de

Opfer eines Online-Browser Games, oder Mittäter?
Damals 28 Jahre, 2 Monate vor dem 29. Geburtstag, Geschlecht männlich.

Über mich.

Ich war mal wieder ein paar Monate arbeitslos, mal wieder umgezogen, mal wieder war eine gewisse Leere in mir. Es war nicht diese Art von Leere, "Wie verbringe ich den Rest meines Lebens", ich plane prinzipiell nie weit voraus, es war eher öfters diese Leere, "Wie verbringe ich die nächsten Stunden...."
Da ich Fachinformatiker bin verbringe ich heute noch fast jede freie Minute vor dem PC, jedenfalls wenn ich mich zu Hause aufhalte. Meistens probiere ich irgendwelche Software aus, programmiere oder designe, im Grunde würde ich mich als Menschen bezeichnen, der sich gut und relativ sinnvoll allein beschäftigen kann.
Ich habe mich als Kind schon viel allein beschäftigt, auch mit einem Computer. Ich habe damals schon nicht nur gespielt, sondern auch programmiert oder versucht, das System zu verstehen, so gut es ging jedenfalls.

Wie es begann.

Eigentlich hatte ich tagsüber immer gut zu tun, es gab eine Menge zu renovieren, vieles zu erledigen. Finanziell hatte ich zum Glück weniger Sorgen in dieser Zeit, ich hatte etwas vorgespart, außerdem gerade noch einiges geschenkt bekommen. Natürlich hatte ich auch sehr viel Zeit aufgrund der Arbeitslosigkeit, aber das war ich eigentlich gewohnt, da ich immer wieder mal Zeiten von mehrmonatiger Arbeitslosigkeit hatte.

Jedenfalls habe ich hin und wieder etwas Zeit in einem Chat verbracht, versucht ein nettes Mädchen aus der Umgebung kennen zu lernen. Das hat auch funktioniert, leider ist nie ein treffen oder ähnliches daraus geworden, so dass ich darauf keine so große Lust mehr hatte. Ein paar Wochen lang habe ich auch abends einen Ego-Shooter gespielt, oder ein Echtzeit Strategie Spiel, irgendetwas, wo Online noch andere Menschen beteiligt waren. Es hat mir immer mehr Spaß gemacht mich mit anderen zu messen. Irgendwie hatte ich aber nicht so großes Interesse an diesen Spielen, da ich doch lieber mehr Taktische Spiele spiele, gern sehr komplex oder rundenbasiert, statt Echtzeit. Ich habe mich daran erinnert, früher einmal eine Zeitlang ein Mittelalter-Browser Spiel gespielt zu haben, da konnte man einmal am Tag seine Züge machen, das fand ich sehr angenehm. Manchmal wurde es etwas eng, da man manche Züge genau „Timen“ musste, d.h. zu einer bestimmten Uhrzeit ausführen um Vorteile Nutzen zu können. Irgendwie bin ich dann auf eine Internet-Seite über Browser-Games gestoßen, da habe ich mir dann eines herausgesucht, bei dem möglichst viele Teilnehmer gleichzeitig spielen können, das sehr bekannt ist und auch noch kostenlos. Ich kannte es schon, ich hatte es vor Jahren einmal ganz kurz „angetestet“ damals war das Spiel allerdings schon in der Endphase, so dass man als Neueinsteiger keine Chance mehr hatte, was ich nach kurzer Zeit erleben musste. Ich habe mich für „Inselkampf“ entscheiden, eine Ausgezeichnete Wahl, wie ich anfänglich meinte. Es hatte erst vor einem Monat begonnen, diesmal könnte ich es allen zeigen...

Meine Art zu spielen.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich grundsätzlich zu der Art Spieler gehöre, die nicht gern verliert. Ich spiele um zu gewinnen, oder bei Spielen, die von sehr vielen gleichzeitig gespielt werden, möglichst weit vorne dabei zu sein. Ich denke, wenn es eine Möglichkeit gibt, zu betrügen, gekoppelt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, dass dieses nicht entdeckt wird, dann sollte man die Chance nutzen, gerade wenn das Spiel gerade nicht so gut steht, bzw. Ein Sieg nicht absehbar ist. Jemand, der beim Spielen nicht auf seine Mitspieler achtet, der will auch nicht gewinnen. Ein Spiel macht mir nur Spaß, wenn ich gut darin bin, egal wie. Bei Karten- oder Brettspielen stelle ich schon mal Figuren um, ich halte versteckte Karten, lege mir in einem günstigen Augenblick die Würfel zurecht. Bei Online-Computerspielen habe ich regelmäßig nach Cheats gesucht, diese habe ich dann besonders gern gespielt.
Ich gehe grundsätzlich beim Spielen davon aus, dass auch mein Gegenüber jede Chance nutzt um zu gewinnen, also bin ich gerade bei den anonymen Computerspielen geradezu gezwungen alles zu versuchen.

Übrigens spiele ich seit meiner Kindheit Schach, heute noch fast täglich, online. Ein sehr faires Spiel, einer gegen einen. Eine Zeitlang habe ich sogar dabei betrogen, indem ich einen Schachcomputer nebenbei laufen lies, natürlich, ich musste davonaus gehen, dass es mein Gegner auch tut.
Da ich dieses Spiel allerdings so lange spielen werde, wie ich fähig dazu bin, habe ich mir angewöhnt Online nur noch die schnellen 2 Minuten Blitzspiele zu spielen, da nutzt ein Programm nebenbei nichts mehr, jede Sekunde zählt, keine Zeit um in einem anderen Programm einen Zug auszuführen.
In solch einem fall spiele ich sogar gern fair, da ich weiß, dass auch mein Gegner keine Chance hat, unfaire Mittel einzusetzen. Manch einer könnte behaupten, wie grauenvoll meine Einstellung sei, andere absichtlich zu hintergehen, ich meine ich tue es aufgrund meines Gerechtigkeitssinns. Gibt es eine Möglichkeit zu schummeln, dann muss man diese nutzen um die theoretische Chancengleichheit wiederherzustellen. Übrigens habe ich damals auch bei dem Mittelalter Spiel betrogen. Von etwa 50 gleichzeitig spielbaren Accounts habe ich etwa 10 gehalten. Leider bin ich kurz vor meinem Sieg aufgefallen, dann habe ich damit aufgehört, ich hatte etwa 2 Monate etwas Zeit investiert, allerdings nicht zu viel, da man sich ja frei aussuchen konnte, wann man Online geht und es nicht allzu oft Schlachten gab, die man „Timen“ musste.

Inselkampf.

Wie gesagt, ich spielte das Spiel schon einmal ein paar Wochen, ich hatte mir damals auch gleich mehrere Accounts angelegt, außerdem konnte man bei diesem Spiel auch Ressourcen bei Ebay nachkaufen, sehr praktisch. Ich merkte allerdings schnell dass es keinen Nutzen hatte, da die anderen Spieler schon viel zu lange gespielt hatten und somit klar überlegen. Inselkampf ist ein Online-Browser Spiel, bei dem man anfänglich eine Insel ausbaut, eine von über 100.000 auf dem Spielfeld, man baut gewisse Einrichtungen, diese produzieren Ressourcen, davon kann man wiederum Einheiten bauen lassen. Man kann sich jederzeit einloggen, umso öfter, desto besser, da es ein Echtzeit Spiel ist, bei dem Einheiten und Gebäude je nach Ausbaustufe bestimmte Bauzeiten haben. Umso schneller man wieder online geht, nachdem Gebäude und Einheiten ausgebaut sind, desto eher kann man etwas neues Bauen. Der Zeitfaktor ist natürlich entscheidend, denn ein weiter ausgebautes Gebäude produziert mehr Ressourcen, das ist entscheidend, gerade in der „Aufbauphase“ zählt da jede Stunde. Je mehr Ressourcen und Einheiten man hat, desto besser ist die Chance im Spiel. Ich war mir anfangs nicht ganz klar darüber welche Konsequenzen das für mich hat, wahrscheinlich war es mir auch einfach egal.

Der Krieg beginnt.

Ich begann meinen Feldzug also gut geplant, ich meldete 7 Acounts an, das hielt ich für angemessen, ich wollte als erstes Testen, ob das beim Spiel auffällt, da es eigentlich gegen die Spielregeln verstößt, aber Grenzen müssen ausgetestet werden. Ich begann also parallel 7 Inseln auszubauen. Ich glaube ich war die ganze Nacht wach, da gerade in den geringeren Gebäudestufen man etwa alle Stunde weiterbauen konnte. Zusätzlich verschaffte ich mir einen Überblick bei Ebay, was man schon so an Ressourcen dazukaufen konnte, für ein gutes Spiel bin ich auch bereit Geld zu investieren, zu meinem Vorteil natürlich, auch wenn das gegen Spielregeln verstößt. Andere tun es ja auch.
Die ersten Tage waren nicht wirklich spannend, aber man sah schnell Fortschritte, zusätzlich kamen Anfragen von Allianzen, dass sind Gruppen von Spielern, die sich zusammenschließen um effektiver zu spielen und gemeinsam zu kämpfen, das ist eine Interne Funktion des Spiels gewesen und ein wichtiger Bestandteil, ich nenne so etwas den Diplomatie-Teil, darin bin ich hervorragend, gerade wenn es darum geht, andere gegeneinander auszuspielen um mir einen Vorteil zu verschaffen. Ich schloss mich also mit meinen Accounts verschiedenen Allianzen an, maximal 2 Accounts in einer Allianz, damit es nicht so auffällt. Als „Multi“ (Das sind die Spieler, die verbotenerweise mehrere Accounts spielen) ist das Leben nicht leicht, man muss sich in Allianzforen anmelden, dort aktiv sein (Beiträge schreiben etc..)

Da ich als Fachinformatiker schon etwas mehr Ahnung von der Technik und Funktionsweise von Browsern und Servern habe, war mir das Risiko klar, dass man entdeckt werden könnte, wenn man mehrere Accouns spielt. Auch Anmeldungen in Allianzforen sind kritisch, da ein guter Admin mal nach den IP-Adressen schaut. Tat aber nie jemand. Mir war klar, dass ist ein Spiel voll gutgläubiger „Noobs“ (Anfänger, Unwissende), also genau das Richtige um Krieg zu führen.

Der Zeitaufwand wurde schon nach etwa einer Woche immens. Ich hatte mir dann 2 Accounts gewählt, die ich besonders intensiv spielte, da diese in augenscheinlich guten Allianzen waren, je einer in einer der beiden stärksten Allianzen dort (mit den meistentwickelten Inseln und meisten Mitspielern). Diese beiden Accounts „pushte“ ich noch von den anderen 5 und bestellte mir bei Ebay Ressourcen dazu.
Das Spielfeld ist in Ozeane gegliedert, diese wiederum in Meere. Jeder Ozean ist 10x10 Meere groß, jedes Mehr hält 5x5 Inseln, es gibt 10x10 Ozeane. Das sind 250.000 mögliche Inseln, gigantisch. Allerdings gibt es auch viele leere Spielfelder, die erst mit der Zeit gefüllt werden. In entfernten Ozeanen jedenfalls waren schon Spieler, die in etwas früher begonnen hatten zu spielen und so Ressourcen verkaufen konnten. Diese schickt man mit Schiffen quer über das Spielfeld und liefert diese dann beim Käufer ab. Auf diese Weise supportete ich auch meine eigenen Inseln. Die anderen Spieler, die schon besser ausgestattet waren, waren allerdings keine Gefahr, da die fahrten teilweise mehrere Tage dauerten, und es in deren Nähe noch viel zu viel Ziele gab und andere Allianzen, als dass Sie Zeit hätten sich mit Frischlinge, weit entfernt anzulegen. Strategisch wäre das eine Katastrophe, deswegen tat es auch niemand. Zudem gab es eine Art „Niob-Schutz“, d.h. Die letzte Insel jedes Spielers ist uneinnehmbar, und in dem Spiel geht es ja darum, Inseln zu erobern, diese auszubauen und somit stärker zu werden, da man mehr Inseln und somit mehr Einheiten und Ressourcen hat.

Nach zwei Wochen war mir klar dass ich mit meinen 7 Accounts und dem Ressourcenkaufen nicht auffalle, sonst wäre ich schon gesperrt geworden. Mittlerweile stellte ich mir schon nachts den Wecker, um rechtzeitig Gebäude weiter ausbauen zu können. Die erste Million dauert am längsten, sagt ein Spruch, so ist es mit der ersten Insel auch. Im Grunde richtete sich jetzt schon der ganze Tagesablauf nach Inselkampf und genau dort begann wohl die Sucht greifbar zu werden, aber es sollte alles noch viel schlimmer kommen.

Es ist gar nicht so leicht mit einer Gruppe von Spielern zurechtzukommen, von denen wenige die Allianz leiten, wenn man selbst der Meinung ist, dass diese Leute nicht so fähig sind, andere zu führen, man aber nach einer Weile keine Chance mehr hat, das Team zu wechseln.

Wenn man gewinnen will und meint eine gute Strategie zu haben, tut man sich schwer mit der Demokratie und die Allianzleiter sehen das meistens genauso. Allianzaustritte sind verpönt und werden mit Angriffen bestraft, außerdem gibt es am ende in jedem Ozean nur eine dominierende Allianz, es ist also ein spiel mit dem Feuer, man weiß nicht, ob man mit seiner durchkommt oder schon im eigenen Ozean scheitert. In den Allianzen tummeln sich Vertreter aller Altersgruppen oder sozialer Schichten, da kann es leicht schon mal zu Meinungsverschiedenheiten kommen, und die blieben auch nicht lange aus. Ich hatte mich nach etwa einem Monat für einen Account entschieden, den ich durchbringen wollte. Ich investierte mehr Geld bei Ebay, spionierte bei den anderen Allianzen, schreib kleine Programme um Karten für die Übersicht zu erstellen, rutschte innerhalb der Allianz etwas höher, kurz gesagt, ich verbrachte immer mehr Zeit mit dem Spiel.

Es ist schon merkwürdig, wenn man Freunden absagt, mit dem Grund, ich muss ein Spiel spielen. Man sagt so etwas sowieso nur bei denen, die das in etwas nachvollziehen können, ansonsten erfindet man Ausreden wie „Mir geht’s heute nicht gut.“ , „Ich hab schon was vor.“ oder „Ich hab schlecht geschlafen.“ - man hat gar nicht geschlafen. Es wird immer schwieriger alles unter einen Hut zu bekommen, schließlich will man ja gewinnen, oder zumindest ganz oben in der Rangliste sein, da muss man schon Zeit investieren und man sieht den Erfolg ja auch. Natürlich war ich nach einer Weile der Punktstärkste Spieler in dem Ozean, immerhin von etwa 1000 Spielern. Aber was ist das schon, wenn in etwa 10 Ozeanen noch 1000e Punktstärkere Spieler sind. Eingestiegen bin ich in dem Spiel um den Rang 14.000 herum. Man hat sich also mit dem Spiel arrangiert, man regelt seinen Tagesablauf, beschränkt das weggehen auf das Nötigste, wie Lebensmittel einkaufen und... und.. na ja, was ist schon groß notwendig?

Zu dem gut abgestimmten Tagesablauf kommen dann noch die Spielinternen Psycho-Sozialen Konflikte. Es gibt Erfolgserlebnisse, wie Niederlagen. Mal hat man gute Ideen, Vorschläge wie man das Voranschreiten der Allianz organisieren könnte, ein anderes Mal ist Niemand zufrieden. Problematisch wird so ein Spiel außerdem, wenn man sich mit einigen zu sehr anfreundet. Man ist ja regelmäßig Online, auch über Messenger oder Relay Chats. Viele Spieler, gerade die aus seiner Allianz lernt man schon etwas besser kennen, man erzählt teilweise persönliche Dinge in Ruhigen Momenten, es geht also nicht immer nur ums Spiel. Dumm ist es dann gerade wie in meinem Falle, wenn man „Multi“ ist, dass man ja z.B. Schon weiß, wenn Leute aus anderen Allianzen angegriffen werden, oder man es auch selbst tut. Gestern noch nett unterhalten, heute mal eben aus dem Spiel befördert. Man weiß ja, wie viel zeit auch der andere in das Spiel investiert hat und hat nur eine dunkle Ahnung davon, wie der sich fühlt, wenn es plötzlich vorbei ist und das kann sehr schnell gehen, oft starten Angriffe übernacht, so dass der Spieler es erst sieht, wenn er am nächsten Tag wieder Online kommt. Natürlich gibt es auch immer wieder Spieler, die durch unangenehmes Verhalten herausragen, wie Beleidigende Spielmitteilungen (man kann jedem Spieler intern Nachrichten zukommen lassen), dann macht es sogar Spaß, jemanden anzugreifen. Man hofft natürlich immer, selbst nicht angegriffen zu werden und bemüht sich, überall hin Kontakte aufzubauen um gewarnt zu werden, oder besser gar nicht angegriffen zu werden.

Die besten Kontakte sind immer zu stärkeren Spielern in der Umgebung oder zu Administratoren anderer Allianzen. Da ich ja viel Zeit hatte habe ich natürlich auch viele kennen gelernt, durch mein Multi Spielen konnte ich auch gut Informationen tauschen und wusste oft Dinge, die andere nicht einmal ahnten. Mit dem Zunehmenden Fortschritt des Spiels entwickelten sich natürlich auch die ersten wirklichen Gefahrensituationen, und mit Gefahr ist hier gemeint, das Spiel könnte für einen beendet sein. Ein unausstehlicher Gedanke, den man so gut wie möglich unterdrückt. Allein wenn man schon hört, ein Kampf mit anderen Allianzen steht bevor, läuft es einem kalt den Rücken herunter.

Man versucht also diplomatisch wie kriegerisch am besten um Verluste herumzukommen. Zudem nehmen die Konflikte innerhalb der Allianz immer mehr zu. Entweder hat man Probleme mit anderen Spielern, die einen ständig nerven, weil Sie irgendetwas brauchen (Ressourcen), weil man Ihnen was erklären soll, oder man streitet sich mit der Allianzführung über deren Intransparenz oder deren Strategie. Da können sich durchaus ernste Streitgespräche entwickeln, geradezu Feindschaften. Es ist halt wie im wahren Leben, wenn man gezwungen ist, mit den verschiedensten Leuten auf die man nichts hält in einem Boot zu sitzen und man zwar Rudern, aber nicht Steuern kann.

Allerdings gibt es auch das Gegenteil, es bilden sich auch kleine Gruppen von richtig guten freunden, mit die man sich absolut verlassen kann. Ich hatte das Glück Teil solch einer kleinen Gemeinschaft zu sein, dort habe ich sogar ein nettes Mädchen kennen gelernt, die ich auch mal Live besucht habe. Aber darum geht es ja nicht, es geht ums Spiel, ums Gewinnen. Den ersten Kampf habe ich für Unsere Allianz gefochten, das hat Eindruck gemacht, und so etwas brauchte ich. Wusste ja keiner dass ich viel mehr Kampfstärke hatte als jeder von Ihnen, durch meine Schummeleien. Zwischendurch hatte ich das erste Mal das Gefühl teilen dürfen, dass das Spiel beendet ist, es war ein Horror.

Ich bin immer besser geworden mit meinem Account und hatte plötzlich Angst, dass man im Nachhinein irgendwie zurückverfolgen könnte, dass ich noch andere hatte. Also habe ich einfach dem Spielleiter gebeichtet, was ich da so trieb und prompt wurden alle Zugänge für mich gesperrt.

Ich war plötzlich ganz Leer. Alls war weg. Die Leute, die Strategien, Die Unzähligen Diskussionen, die vielen Beiträge in den Foren, de geteilte Spaß, das Spiel und – der Sieg. Ich habe dem Spielleiter Geld geboten, mich weiterspielen zu lassen, von vorne hätte ich nicht noch einmal Beginnen können, das wäre aussichtslos gewesen. Später habe ich es mit Erpressung versucht, ich habe Dokumente Online gestellt in denen ich eine detaillierte Beschreibung gegeben habe, wie man „Multi“ d.h. Was man alles beachten muss, wenn man Betrügt, um nicht aufzufallen, denn das konnte ich ja sehr gut, immerhin hatte es nie jemand gemerkt. Alles was ich wollte war weiterspielen! Dank meiner kleinen Gemeinschaft, meinen Spieler-Freunden durfte ich aber nach 2 Wochen das Spiel mit meinem Hauptaccount wieder aufnehmen. Sie haben Mails an den Betreiber geschickt, mit der Bitte mich doch zu lassen und das Sie mich im spiel dort brauchen würden, das war sehr nett, obwohl ich eigentlich alle betrogen habe. Aber ich war ein Punktstarker Spieler und auch nicht so einfach zu ersetzen, denke ich jedenfalls. Die Nachricht kam per Email, es war ein Gefühlsfeuerwerk. Es hat keine 10 Sekunden gedauert, da war ich wieder im Spiel und natürlich voll dabei. Sofort den aktuellen Stand analysiert, Beiträge verfolgt, Ziele ausgemacht, im Chat herumgejubelt.

Dabei wäre es der Beste Zeitpunkt gewesen um aufzuhören, wie ich heute meine, denn nach dieser Zeit begann die depressive Phase des Spieles. Der krieg war vorangeschritten, Ich hatte Probleme mit Leuten aus der eigenen Allianz, einen musste ich sogar mit Hilfe meiner Freunde aus dem Spiel befördern, was mit später etwas Leid tat, er hatte nichts geahnt und keine Chance. Von einem Tag auf dem anderen war es aus für Ihn. Er hatte den Fehler gemacht zu denken, dass ich nicht mehr ins Spiel zurückkommen könnte und hatte 2 meiner Inseln geplündert. Aus meiner Sicht war das Hochverrat. Auf so etwas müsste eigentlich die Todesstrafe stehen. Merkwürdig wie einem der Sinn der für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit verloren geht, dazu kommt diese uneinschätzbare Komponente mit dem Namen „Macht. Gewalt ausüben in einem Spiel durch eigene Spielstärke. Gewalt ist nicht nur körperliche Gewalt, auch Psychische. Man kann Mitspieler bedrohen oder einschüchtern, man weiß ja, dass Sie ebenso an dem Spiel hängen, man merkt ja, wie oft Jemand Online ist, wie sich seine Punkte entwickeln. Manche betteln geradezu Sie nicht anzugreifen, aber man muss ja. Fressen oder gefressen werden.

Ich habe mir später wieder Accounts über Ebay dazugekauft, ich habe selbst mit Ressourcen gehandelt. Für Accounts habe ich zwischenzeitlich um die 100 Euro bezahlt, allerdings später auch immer wieder verkauft. Ich wollte alles aus diesem Spiel herausholen, ganz nach vorne. Ich hielt mich für Unbesiegbar, in Kombination mit ein paar Bier abends im Chat ist das eine gefährliche Mischung. Ich habe die Punktstärksten Spieler angepöbelt, die stärksten Allianzen beleidigt, sogar zu Angriffen gegen Bezahlung habe ich aufgerufen – Kopfgeldjäger. Die Probleme mit meiner Allianzführung nahmen dadurch natürlich noch weiter zu, ein Member, dass dermaßen auftritt kann man schlecht vertreten in einem diplomatischen spiel, wo jeder Zug schnell der letzte sein kann und Konflikte wohl durchdacht sein wollen. So verlor ich dann meine Ämter, Diplomat (ja, eine Ironie, ich weiß) oder Wing-Admin. Eine Allianz ist in maximal 3 Wings gegliedert, jeder Wing kann 30 Member haben. Das war schon eine Aufgabe, mussten doch Punktentwicklungen und Verhalten der Spieler beobachtet werden um schlechte Spieler auszufiltern und gegen bessere auszutauschen.

Viele meiner Probleme waren natürlich Hausgemacht, ich hätte mich ja nicht so benehmen müssen, aber es kam irgendwie so und manche nahmen es mir nichtmal übel, so kannten Sie solches Verhalten von sich selbst. Trotzdem war meine Lage nun gefährlich, könnte ich doch selbst mal ersetzt werden. Bei so vielen Spielern hat man auch mit ein paar Freunden keine Chance mehr sich durchzusetzen, die Masse macht’s. Und was die Masse tut, bestimmt in der Regel die Allianzführung, zu der mein Draht immer schlechter wurde. Irgendwann kamen Gerüchte auf dass unsere Allianz reduziert werden soll von 3 auf 2 Wings.

Man muss sagen, dass die meisten Spieler nicht weit denken und sich bei solchen Aussagen nie große Sorgen machen. Die Spieler spiegeln wunderbar die Gesellschaft, oder zumindest mein Bild von Ihr. Die Meisten können gerade bis zum eigenen Horizont blicken und verstehen keine Zusammenhänge. Man sagt Ihnen am besten was Sie zu tun haben. Sie brauchen eben jemanden der Sie führt. Ich konnte das jetzt schlecht, auch wenn ich immer eine Idee hatte, mich mit guten Spielern abzuspalten, aber das Risiko war zu groß dabei unterzugehen. Jedenfalls hatte ich Angst, ich könnte zu denen gehören, die rausgeschmissen werden. Ständig fragte ich herum, wer denn gehen soll, ob ich dabei bin, ein paar meiner Freunde waren ja noch in dem Führungsbereich.

Jeden Tag diese Sorge, schon beim Aufstehen... Ist es jetzt so weit, werde ich angegriffen? Ist es nun zu Ende? Was tue ich dann? Wie räche ich mich? Und an wen ? Wer würde die größte Schuld tragen? Ich hatte aber Glück. Ein Paar von den weniger starken Spielern mussten gehen, natürlich wurden Sie sofort von dem Rest angegriffen, das musste eben so sein, wir brauchten deren Inseln, es gab nicht mehr viele bei uns, wir hatten schon fast alles. Der Ozean war „Clean. (d.h. Fast alles befand sich in der Hand unserer Allianz.) Sie haben mich wegen meiner Punkte behalten, nicht weil Sie mich mochten. Ein Kampf mit mir hätte der Allianz zu viele Verluste gebracht, manche wussten ja, dass ich so meine Geschäfte mache und es daher sehr riskant wäre. Aber das Misstrauen wurde ich nicht mehr los, ich wusste, das Sie auch anders könnten, dass haben Sie mir auch klar verständlich gemacht. Ich misstraute sogar schon meinen eigenen Freunden, der kleinen Gruppe, mit denen ich so viel geteilt hatte. Der eine nannte mich immer „Meister“, ich habe Ihm viele Taktiken beigebracht, öfters mal nach seinem Account geschaut. Mit dem Mädchen hatte ich auch Streit, ich hatte Angst, Sie würde hinter meinem Rücken zu viel Privates über mich erzählen, dummerweise war ich auch etwas verliebt und bei den vielen Spielern hatte ich schon das Gefühl von Konkurrenzdruck, nicht nur auf spielerischer Ebene. Wobei man spiel zu dem Ganzen sowieso nicht mehr sagen konnte Ich hatte immer öfter sie Gedanken damit aufzuhören, aber ich konnte nicht, so viel Arbeit hatte ich hineingesteckt, über 3 Monate Zeit, Tag oder Nacht, und das Geld... Plusminus hatte ich etwa 50-100 Euro schon investiert, genau kann ich das nicht mehr sagen, will ich auch nicht. Aber es war ja noch nicht zu Ende. Den nächsten Tiefpunkt erreichte das Spiel dann, als wieder einmal Gerüchte aufkamen, diese mal sollte die Allianz komplett zerlegt werden und nur die wenigsten Besten Spieler dürften zu einer sehr starken Allianz außerhalb unseres Ozeans wechseln, was mit dem Rest passiert war klar. Natürlich klingelten wieder sofort meine Alarmglocken, ich protestierte. Die anderen kaum, Sie wollten halt geführt werden. Diese Lemminge, unglaublich. Blind ins eigene Verderben.

Ich machte mich also wieder mal unbeliebt, wobei ich mich die Wochen davor extra sehr zusammengerissen hatte und auch auf das abendliche Bier verzichtete um nicht wieder zu sehr zu provozieren. Am Ende gehörte ich dann wieder zu denen, die bleiben durften. Perfekt, fast. In der Neuen Allianz arbeitete ich mich punktemässig auch schnell weiter nach vorn. In der Rangliste war ich schon auf etwa Rang 80, in der Allianz unter den Besten 15. Tja, es hat dann nicht lange gedauert, da hatte ich den nächsten Ärger, mit dem dortigen Admin. Ich hatte mich über jemanden beschwert der mit mir einen Angriff fahren sollte, sich aber wie ein „Noob“ angestellt hatte, es dauerte alles schlichtweg zu lange. Obwohl es ein sehr langwieriges Spiel war, ging mir jede Geduld verloren, oder gerade deswegen?

Es machte alles keinen Spaß mehr, zu viele Wutanfälle, zu viele Depressionen, zu viele Konflikte, ich wünschte mir, ich könnte in einer anderen Allianz sein, zwischenmenschlich noch mal alles neu aufbauen. Das ständige Misstrauen, die ewigen Konflikte. Diese diplomatische Komponente gefiel mir gar nicht mehr, vielleicht liegt es in meiner Natur, nicht so gut in Gruppen zurechtzukommen, aber ich glaube irgendwo stößt jeder auf seine Grenzen. Zumindest war ich ja noch dabei, im Gegensatz zu tausenden Anderen. So schlecht kann meine Taktik also nicht gewesen sein. Wohl fühlte ich mich in der Allianz aber nicht, na ja, inder letzten ja auch nicht wirklich, immer dasselbe Spiel, die da oben machen eh alle was sie wollen. Kontakte sind wichtig und ich hab zu viel provoziert, zu viele Fragen gestellt, zu viel Kritik geübt. Hätte ich mich besser einfach führen lassen sollen? Hätte ich Interesse heucheln sollen, mich mehr mit anderen über Belanglosigkeiten unterhalten, damit Sie einen anderen Eindruck von mir bekommen, als den unberechenbaren Eigenbrödler.
Egal.
Ich entschloss mich meinen Account zu verkaufen. Ja, ich wollte aufhören, tat ich auch. Ein paar Tage lang. Es ging nicht anders, ich war einerseits so Leer und andererseits so voller Emotionen von dem Spiel. Ich wollte doch noch der Beste sein, Platz 1 in der Rangliste. Sie sollten schon sehen, mit wem Sie gespielt hatten. Ich kaufte mir einen in der Top Ten für knapp 200 Euro. Das war eine Basis die mir gefiel. Das war schon eine Respektsposition. Den ich verkauft hatte, der war immerhin auch schon in den Top 60 am Ende, aber die Punktunterschiede wurden immer größer, je weiter es nach oben ging. Natürlich kaufte ich gleich einen 2. Account dazu, ganz in der Nähe, einer feindlichen Allianz. Das war praktisch, so konnte ich von dem großen gleich die Inseln von dem anderen angreifen und übernehmen, mit allem was drauf ist. Ein ausgezeichneter Plan. In der Allianz hatte ich gar keine Probleme, ich hielt mich einfach aus allem heraus. Keine Diskussionen, Niemanden kennen lernen, einfach durchziehen. Man lernt ja dazu. Leider lief es nicht so gut. Irgendwie wurde ich als Multi entlarvt. Wenige Tage nach meinem großen Comeback. Accounts gesperrt – Geld futsch. War es Ohnmacht, die ich verspürte? Ja, ich glaube Ohnmacht ist das richtige Wort.

Ein Wahnsinn, ein riesiger Wahnsinn. Es war vorbei, einfach so. Ich war nicht vorsichtig genug. Ich hab verloren. Ich war ein „Looser“ - ich bin es heute noch. Noch mal Geld investieren – Nein. Ich hatte meine Grenze gefunden, mehr war ich nicht bereit zu Opfern.

Natürlich hatte ich Ideen, ich wollte ein Tool zum cheaten schreiben und bei ebay verkaufen, ich habe es aber nie fertig gestellt. Wenn schon nicht gewinnen, dann wenigstens meinen Namen retten und Geld machen. Man identifiziert sich ja mit seinem Spieler Namen und ich hatte oft und laut herumgeschrieen.

Ich versuchte mich also zu besinnen, wieder etwas Sinnvolleres zu tun. Auf einmal war so viel zeit da, die ich wieder füllen konnte, musste. Zum Glück gelang es mir auch, ich hab nicht wieder angefangen zu spielen.

Wenn ich denke, was ich alles in das Spiel investiert hatte, zwischendurch habe ich auch noch ein ähnliches Spiel gespielt, es ging ebenso daneben – die diplomatische Komponente, nur dort habe ich freiwillig etwas früher aufgehört, ich dachte Inselkampf allein reicht schon und dort war ich sowieso viel aktiver. Als ich für 2 Wochen die Freundin aus dem Spiel besuchte kaufte ich mir sogar einen Laptop, damit wir beide gleichzeitig in Ruhe spielen konnten.

Im Nachhinein fallen mir natürlich auch viele Lustige Momente ein in dem Spiel, es gab wirklich schräge Spieler dort mit denen man viel Spaß haben konnte und witzige Gespräche hatte. Leider wurde es immer wieder überschattet von all den Dingen, die außerhalb der eigenen Kontrolle lagen.

Ein Spiel über das man keine Kontrolle hat. Eigentlich macht ein Spiel das ja aus, was wäre es für ein Spiel, wenn man von vornherein wüsste, man gewinnt.

An meinem Verhalten beim Spielen hat sich allerdings nichts geändert, jedenfalls nicht an der Einstellung dazu. Ich spiele um zu gewinnen, mit allen Mitteln. Ich bin ein wirklich schlechter Verlierer, vielleicht bin ich auch ein schlechter Gewinner, ich weiß es nicht. Seit Inselkampf habe ich kein Spiel mehr gespielt, außer Schach, das ist fair, 2 Minuten One on One. Schnell entscheiden, kein monatelanger Aufbau, kein Geld zu investieren, keine Diplomatie - kein psycho-sozialer Stress.

Von all den Spielern kenne ich heute nur noch die besuchte Freundin, mehr oder weniger, aber wir haben Kontakt. Über Inselkampf sprechen wir nicht mehr. Besser ist es.

Es ist so schwer zu sagen, was an diesem spiel so reizt, hat es vielleicht sogar mit den Emotionen zu tun? Ist es, weil es dort so viele Spieler gibt? Ist es der lange Zeitraum? Vielleicht von allem etwas. Man lebt Inselkampf, man spielt es nicht. Man steuert nicht das Spiel, das Spiel steuert einen selbst, je nachdem, wie anfällig man dafür ist.

Ich denke, viele Spieler dort haben diese Anfälligkeit. Ich habe auch einige kennen gelernt, die immer wieder ähnliche Konflikte hatten wie ich und irgendwann aufgehört haben. Die gleiche Unzufriedenheit, aber lange Zeit nicht loslassen können. Eine Sucht. Viele kommen und gehen, aber um so mehr Zeit man erstmal investiert, desto wahrscheinlicher ist es, das man lange dabei bleibt.

Ich chatte heute manchmal, wenn mir langweilig ist.

Vielleicht zeige ich es Ihnen allen noch mal...